Ausgangssituation und Handlungsbedarf

Aufgrund der demographischen Entwicklung und der Herausforderungen umwelt- und arbeitsplatzabhängiger gesundheitlicher Belastungen, die dies- und jenseits der Grenze gleich verlaufen, kommen in naher Zukunft auf die ländliche Region sehr große Herausforderungen im Gesundheits- und Vorsorgebereich zu.

Diese könnten im Rahmen einer grenzübergreifenden Kooperation gelöst werden, denn in beiden Teilregionen gibt es Anbieter und innovative Lösungsansätze für die bestehenden Probleme und zugleich langjährige und gute Erfahrungen bezüglich transnationaler Projekte. Zugleich fehlen auf beiden Seiten Personalressourcen für die Umsetzung, es besteht ein Informations-, Kooperations- und Aufklärungsdefizit sowie ein Fachkräftemangel in den angesprochenen Bereichen.

Die Kleinanbieter, die gemeinsam das Konzept „Glutenfrei Scheidegg“ mit ihren Leistungen bedienen, werden derzeit noch zu wenig gestärkt, vermarktet und qualifiziert und sind derzeit nur lokal begrenzt tätig.

Projektziele

  • Sicherung von Fachkräften im Versorgungs- und Präventionsbereich
  • Gesunderhaltung der Arbeitnehmer und Fachkräfte in der Region
  • Altersgerechte medizinische Versorgung und Betreuung für Senioren und demenziell Erkrankte
  • Zielgerichtete Weiterentwicklung des gesundheitstouristischen Alleinstellungsmerkmals „Glutenfrei“ in Scheidegg mit Ausstrahlkraft für die gesamte touristische Region Westallgäu
  • Querschnittsziel Netzwerksarbeit: Sowohl in den Entwicklungszielen der Allgäu GmbH (Standortmarketing und Fachkräftesicherung), des Landkreises Lindau (Seniorenpolitisches Gesamtkonzept) als auch in der Strategie Allgäu 2020 (Netzwerk Regionalentwicklung Allgäu) sind die Inhalte der Arbeitspakete des Transnationalen Gesundheitsnetzwerks als maßgebliche Ziele benannt.

Unterschiede zum bereits seit 2014 bestehenden Gesundheits- und Bildungsnetzwerk Scheidegg aus der LEADER-Förderperiode 2007-2013:

1. Neue Inhalte:

  • Fachkräftesicherung durch Akquise von ArbeitnehmerInnen ehemaliger Ostblockländer und durch Integration von Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit den Kliniken und dem Landratsamt Lindau (Bodensee)
  • Demenznetzwerk
  • Transnationalität verbunden mit einer Erweiterung des Wirkungsbereichs

2. Weiterführung von Inhalten:

  • Betriebliche Gesundheitsvorsorge: Analyse der Anbieter und Firmen bereits vorhanden – Konzept und Umsetzung noch nicht erfolgt.
  • Glutenfrei Scheidegg: Konzept erstellt und Bedarfe ermittelt: Umsetzung erforderlich (Zöli und Glutenfrei-Guide für die Kurverwaltung)

Maßnahmen

1. Gewinnung und nachhaltige Bindung von Fachkräften durch gegenseitigen Austausch und Netzwerksarbeit zwischen den Kliniken in Oberstaufen und Scheidegg

  • Einführung eines standardisierten, administrativen Verfahrens in der Akquise gut ausgebildeter Fachkräfte aus den ehemaligen Ostblockstaaten (Ungarn, Ukraine)
  • Nutzung der Potentiale von Zugewanderten in Pilotprojekten durch Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt der Reha-Kliniken als Praktikanten oder einfache Hilfskräfte mit dem Ziel einer Ausbildung in Mangelberufen wie Pflegefachkraft, KinderpflegerIn, ErzieherIn, in enger Kooperation mit dem Landratsamt Lindau (Beispiel Prinzregent-Luitpold Klink, KJF)
  • Organisation eines umfassenden Angebots von Zusatzleistungen für neue Arbeitnehmer (Sprachkurse, Integrationsangebote, Kinderbetreuung, soziale Integration über Vereine) zur Arbeitsplatzbindung

Zusammenfassung und Arbeitsteilung: Hier soll eine übergreifende Arbeit entstehen. Austausch von Arbeitskräften im Springerbereich ist für das Leiblachtal denkbar. Arbeitskraftüberlassung ist in der Praxis eher nicht möglich. Beteiligung der Regio Leiblachtal 20% (entspricht 6.000 Euro), Scheidegg 80%, da eine gute Kooperation mit den Kliniken besteht und hier schon Grundlagen gelegt wurden.

2. Innovatives Demenznetzwerk

  • Über das Thema Demenz und über Hilfen regelmäßig informieren, vor allem über den Gesundheitsatlas, als maßgebliche Informations- und Kommunikationsplattform für alle Betroffenen und Fachpersonen
  • Gesundheitskongress als Plattform nutzen – Fachreferenten einladen
  • Organisation Öffentlichkeitsarbeit: Pressearbeit, Lesungen, Büchertische, Workshops, Bürgerinformationsabende, Tag der offenen Tür in Seniorenheimen
  • Organisation Austausch Betroffener, Helfer und Fachkräfte, Demenzhotline, betreuter Nachmittag für Betroffene, Angehörigenentlastungsangebote, Demenzgottesdienste, Theater- und Filmabend zum Thema
  • Ehrenamtliche Strukturen in der Demenzhilfe stärken
  • Barrierefreiheit Demenz voranbringen
  • Gemeinsame Fortbildungsangebote organisieren, Schulungsmaßnahmen organisieren, Bevölkerung einbinden (öffentlichen Dienst, Bürgerservice der Gemeinden, Polizei, BusfahrerInnen usw. Dienstleister, Banken, Ausbilder) gewinnen
  • Akzeptanz dementiell Erkrankter erhöhen durch Aufklärung

Zusammenfassung und Arbeitsteilung: Dieser Punkt ist der Hauptschwerpunkt für die Regio Leiblachtal mit dem Sozialsprengel Leiblachtal. Die Aktivitäten, an welchen sich die Regio Leiblachtal beteiligt, sind noch zu definieren (Anzahl Veranstaltungen, Beratungen). Beteiligung der Regio Leiblachtal 70% (entspricht 56.000 Euro).

3. Schaffung von Präventionsangeboten im Rahmen eines koordinierten betrieblichen Gesundheitsmanagements in Kooperation mit Firmen und Handwerksbetrieben

  • Die Marktgemeinden Scheidegg und Oberstaufen haben zahlreiche verschiedene Gesundheitsanbieter, u.a. fünf Rehakliniken, ein Diagnostik- und ein Therapiezentrum, Anbieter für Kur- und Heilbehandlung, Ernährungsberater und Heilpraktiker. Aufgrund des großen Angebots wird hierfür eine Übersicht über die verschiedenen Gesundheitsanbieter geschaffen, damit eine passende Kombination der Anbieter auf eine betriebliche Gesundheitsförderung abgestimmt werden kann.

(Situationsanalyse in Scheidegg: bereits erfolgt in 2007-2013 – weitere Erfassung in Vorarlberg/Oberstaufen und Übertragung der Daten aus Scheidegg notwendig. Die Situationsanalyse umfasst zum einen den momentanen Stand der Leistungserbringer in Bezug auf die betriebliche Prävention und zum anderen die aktuellen Tätigkeiten der untersuchten Firmen hinsichtlich der betrieblichen Gesundheitsförderung.)

  • Bevor ein Präventionskonzept entwickelt werden kann, muss zuvor eine umfangreiche Analyse der Arbeitsplatzbeschreibung erfolgen. Hierbei handelt es sich um typische Tätigkeiten, die zu Belastungen für die Mitarbeiter führen können. Darunter fallen körperlich anstrengende Arbeiten, aber auch die Tätigkeiten im Büro.

(Analyse von Arbeitsplatzbeschreibungen in Scheidegg: bereits erfolgt in 2007-2013 – weitere Erfassung in Vorarlberg/Oberstaufen und Übertragung der Daten aus Scheidegg notwendig.)

  • Ermittlung gemeinsamer beruflicher Belastungen: Wenn in den Firmen die Arbeitsplatzbeschreibungen vorliegen, wird versucht,  ähnliche Tätigkeiten bzw. Belastungen zusammenzufassen. Somit kann das Präventionskonzept zielgruppenspezifisch aufgebaut werden. Das Ziel hierbei ist, dass typische Belastungen im Arbeitsalltag entwickelt werden, die auf andere Firmen übertragbar sind. Beispielsweise können lange sitzende Tätigkeiten sowohl im Büro als auch in der Produktion dieselbe körperliche Beanspruchung haben.
  • Entwicklung eines Präventionsportfolios auf Basis der gemeinsamen Belastungen: Mithilfe der Gesundheitsdienstleister in Scheidegg soll nun auf Basis der entwickelten Belastungen ein ganzheitliches Präventionsprogramm erstellt werden. Abhängig von der betrieblichen Belastung, werden die entsprechenden Leistungsanbieter in das Programm mit einbezogen. Das Präventionsportfolio wird mit ärztlicher Betreuung aufgebaut und beinhaltet insbesondere die Bewegung, Ausdauer und den Muskelaufbau. Daneben wird, je nach Bedarf, die Ernährung oer psychologische Betreuung integriert.
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen: In diesem Schritt sollen nun die zielgruppenspezifischen Handlungsempfehlungen für die Beispiel-Firmen entwickelt werden. Es wird aufgezeigt, wie das Angebot des Präventionsportfolios in den Betrieb integriert werden kann. Des Weiteren wird eine Kostenanalyse aufgestellt, die für die das Präventionsangebot anfällt. In diesem Zusammenhang werden auch Finanzierungsmöglichkeiten für die Betriebe erarbeitet. Abhängig von der Leistung wird das Angebot von dem Betrieb, den Krankenkassen und evtl. aus Fördermitteln finanziert.
  • Ausblick: Dieses Konzept, welches beispielhaft für drei Firmen entwickelt wird, soll für alle Firmen aus Scheidegg, Oberstaufen und Leiblachtal zugänglich sein. Des Weiteren kann das Projekt im Tourismus-Bereich weiterentwickelt werden und vor allem als wohnortfernes Präventionsangebot große touristische Bedeutung erhalten.

Zusammenfassung und Arbeitsteilung: Der Projektpartner Scheidegg wird hier aufgrund seiner großen Erfahrung und Voranalyse auf Scheidegger Gebiet im bereits abgelaufenen Gesundheitsnetzwerk die Federführung übernehmen.

Das spiegelt sich auch im geplanten Arbeitsaufwand wider; der Anteil Scheideggs beträgt 80 %, der Anteil Vorarlbergs 20%. Letztere beschränken sich vor allem auf Zuarbeiten bei der Feststellung des IST-Zustandes: Zur Verfügung stellen und Übermitteln der Daten der Handwerksbetriebe und der kleinen bis mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie bestehenden Gesundheitsanbietern, die mittels eines Fragebogens erfasst, dargestellt und ausgewertet werden. Diese Erfassung wird vorrangig für den Leiblachtaler Raum von den Personalstellen des deutschen Projektpartners übernommen und diesen übertragen.

Interessierte Firmen, soziale Leitungsträger (Krankenkassen, Rentenversicherung…) und passende Gesundheitsanbieter werden dann zu Workshops, Aufklärungsabenden und zu gegenseitigen Besuchen eingeladen. Geplant sind nach Erfassung und Auswertung monatlich stattfindende Treffen, in denen Handlungskonzepte und individuell an den Betrieb und an die Bedarfe der Mitarbeiter angepasste Präventionsformen in den Bereichen Stressabbau, psychische Stabilität, körperliche Fitness, gesunde Ernährung am Arbeitsplatz erstellt werden.

Arbeitsaufwand: ca. ein dreiviertel Jahr
Diese sollen schon im Laufe des 2. Jahres im Gesundheitsnetzwerk in den Unternehmen in einer Testphase ausprobiert (über ein halbes Jahr) und danach fest etabliert werden. Auch für diese Pilotphase bedarf es ca. 6-8- vor-Ort Termine in den entsprechenden Firmen. Zertifizierung der Angebote und Ausspielung auf Plattformen für wohnortferne Präventionsangebote (Relevanz Tourismus): ein viertel Jahr

4. Sicherung und zielgerichtete, intensive Unterstützung der Glutenfrei-und Schrothkuranbieter in Scheidegg und Oberstaufen und Verstärkung der Marketingmaßnahmen

  • Qualifizierung der Kleingastgeber mit einem Glutenfrei/Schrothkur-Angebot
  • Unterstützung der Glutenfrei Gastwirte (Wirteverein) und Bäckereien
  • Umsetzung des Maskottchens „Zöli“ für Kinder
  • Schaffung einer Stelle „Zöliakie-Guide Scheidegg“ in der Kurverwaltung
  • Vierteljährlich stattfindende eintägige und jährlich stattfindende mehrtägige Schulungsangebote für interessierte Anbieter und Gastgeber dies- und jenseits der Grenze
  • Verstärkung der Kooperationen und Vernetzung mit anderen Tourismusgemeinden im Westallgäu mit einem Allergiefrei- und Schrothkur-Angebot, Bekanntmachung des Angebots für Touristen umliegender Gemeinden
  • Weiterentwicklung des Themas Schrothkur, vor allem bezüglich der medizinischen Qualitätsverbesserung des Angebots im Kurort Oberstaufen und der Relevanz der Schrothkur für das medizinische Zukunftsthema Diabetes
  • Verlängerung der Tourismus-Saison durch diese Angebote
Projekt im Überblick
ProjekttitelTransnationale Daseinsvorsorge durch innovative Kooperationen in der Modellregion Leiblachtal, Scheidegg und Oberstaufen
ProjektträgerMarkt Scheidegg
ProjektgebietDE: Markt Scheidegg, Markt Oberstaufen
AT: Möggers, Eichenberg, Hohenweiler, Hörbranz, Lochau
Beteiligte LAGenWestallgäu-Bayerischer Bodensee (DE),
Regio Leiblachtal (AT)
Gesamtkosten
452.000 Euro (brutto)
Fördersumme200.000 Euro
Projektlaufzeit2016-2019
ProjektstatusAbgeschlossen
FörderinstrumentLEADER 2014-2020
LES-HandlungszielHZ 1: Gewinnung und Sicherung von Fachkräften